Schülerreport vom Bundesfinale Jugend trainiert für Paralympics
Schülerreport vom Bundesfinale Jugend trainiert für Paralympics - Foto: (c) DBS
Eine Reportage von Laura Meyer-Höper: Den weltgrößten Schulsportbewerb Jugend trainiert für Olympia kennt wohl jeder. Aber Jugend trainiert für Paralympics? Da musste ich erst einmal recherchieren.
Berlin (Behindertensport-News.de) - Seit mehr als 20 Jahren werden die Olympischen Spiele für die Sportler mit körperlicher Behinderung Paralympics genannt. Der Begriff drückt das enge Nebeneinander (griechisch para = neben) der beiden großen olympischen Sportwettbewerbe aus. Der Rest war mir klar. Für solche Spiele braucht man Nachwuchs.
Im Bundesleistungszentrum Kienbaum, weit vor den Toren Berlins, war ich am 09.06.2011 dabei. Tischtennisspieler, Rollstuhlbasketballer, Schwimmer und Leichtathleten traf ich beim Bundesfinale Jugend trainiert für Paralympics. Eines fiel mir sofort auf: Alle Athleten hatten etwas Gemeinsames.
Wer einen Sportwettkampf bestreitet, gibt sein Bestes, am liebsten gewinnen, jeder auf seine Art. Der 15-jährige Schweriner Schwimmer Felix kam durch eine Wette mit seinem Trainer hier her. Welche es war - das spielt für ihn keine Rolle mehr. Dabei zu sein und sich mit anderen zu messen, das ist sein Ding.
Julia Schönau (13) aus Sachsen-Anhalt ist als Ersatzfrau einfach nur aufgeregt und freut sich ohne Ende beim Schwimmen ihr Bestes zu geben. Ganz neu für mich: Rollstuhlbasketball (Rollibasketball), setzt nicht zwangsläufig eine körperliche Behinderung voraus, wie der Berliner Tobias Back (14) mir mit blitzenden Augen eröffnete. Es ist eben eine eigenständige Sportart, die vom Rollstuhl aus betrieben wird.
Den Rolli gibt es übrigens auch im Wettbewerb der Leichtathleten im Sprint, Langstreckenlauf und Werfen. Gelaufen wird aber auch ohne Rolli, so wie ich es bei der 100-m-Läuferin Natascha Buck (15) erlebte. Als ich im Ziel in ihr strahlendes Gesicht blicke, erzählt sie außer Atem: „Ich bin so stolz es geschafft zu haben!“ Es war ein Glücksgefühl von ihren Freunden angefeuert zu werden und den Kopf ganz frei zu haben. Dabei war ihre Teilnahme hier in Kienbaum gar nicht sicher. Als aber eine Mannschaftskameradin sich vor dem Bundesfinale verletzte, war es ihre Chance. Seit einigen Jahren trainiert sie in der Schule kräftig. Ihr Einsatz hat sich heute gelohnt.
Also alles „Friede, Freude, Eierkuchen“? Fast: Aber Stillstand ist oft auch Rückschritt. Es sollte unbedingt Ansporn für die bisher fehlenden Bundesländer sein, mindestens ein Team in jeder Sportart zu entsenden. Schaffen es alle anderen Länder zukünftig, eine weitere Mannschaft pro Sportart ins Rennen zu schicken, dann würde die Teilnehmerzahl stattlich anwachsen. Vielleicht fänden sich für die Rollibasketballer der Erich-Kästner-Schule aus Langen in Hessen vielleicht auch Gegner, die ihre Siegessträhne unterbrechen. Hilfreich dürfte es daher sein, sich bei der Alterseinteilung nicht zu eng an das Vorbild von Jugend trainiert für Olympia anzulehnen. Die Altersstruktur der Förderschulen ist nun einmal eine andere. Eine erweiterte Altersöffnung eröffnet dann mehr Teilnehmern den Zugang zu diesem einmaligen Schulsportwettkampf. Treffender als Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, kann ich es auch nicht ausdrücken: „Es ist das Schönste in die Gesichter der jungen Sportler zu blicken, die wegen ihrer physischen Einschränkungen nicht immer auf der Seite des Glücks stehen.“
Ohne viele helfende Hände, die einsatzfreudigen Mitstreiter und Organisatoren, wäre der Wettbewerb nicht durchzuführen. Nicht wegzudenken ist das Engagement einer häufig gescholtenen Berufsgruppe: der LehrerInnen. Viele der gehandicapten Sportler kämen nie zu einem Erlebnis einer mehrtägigen Schulveranstaltung. Manche waren noch nie von zu Hause fort. Oft hängt es gerade vom Einsatz einzelner Pädagogen ab, dass eine Mannschaft am
Schulsportwettbewerb teilnimmt. Nicht zu unterschätzen: Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. Ohne die finanziellen Leistungen des Hauptsponsors DB Mobility Networks Logistics wäre eine solche Veranstaltung nie zu stemmen. Die Bahn macht mobil, nicht nur
finanziell, sondern auch im Sinne einer Barrierefreiheit. Da wird mir dann der Transfer zu jedem von uns bewusst: Persönliche, barrierefreie Mobilität ist nicht selbstverständlich. Sie kann jedem von uns jeden Tag genommen werden. Barrierefreiheit dient also nicht nur den Jugend-trainiert-für-Paralympics-
Sportlern, sondern letztlich uns allen - vor allem Älteren und Familien mit kleinen Kindern. Durch diesen Wettbewerb erhalten Menschen mit Behinderungen echte Anerkennung. Deshalb muss es auch nächstes Jahr beim dann 3. Wettbewerb Jugend trainiert für Paralympics wieder
heißen: Auf die Plätze – fertig – los!
(Laura Meyer-Höper / DBS)



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