Wetzlar (Behindertensport-News.de) – Zu Gast beim amtierenden Deutschen Meister in Wetzlar galt es für die Mannschaft von Trainer Harald Fürup sich so lange wie möglich gegen den übermächtigen Gegner, in dessen Reihen einige der besten Rollstuhlbasketballer der Welt zu finden sind, mitzuhalten. Das leichteste Auswärtsspiel war es, weil man ohne jeglichen Druck frei aufspielen konnte.
Dies taten die Hannoveraner zu Beginn der Partie auch eindrucksvoll. So rieben sich einige der 750 Zuschauer in der August-Bebel-Halle in Wetzlar verwundert die Augen als nach sieben gespielten Minuten die Gäste beim Stand von 12:10 mit den Weltpokalsieger 2010 auf Augenhöhe agierte.
Bis zur ersten Viertelpause konnten sich die Gastgeber dank US-Nationalspieler Steve Serio zwar bis auf 20:12 absetzen, doch auch im zweiten Viertel spielte United weiter munter mit. Beim Stand von 26:36 aus Sicht der Niedersachsen ging es in die Halbzeitpause. Beste Noten verdienten sich vor allem Thomas Schröder und Michael Möllenbeck, die immer wieder Lücken in der Abwehr des RSV Lahn-Dill zu nutzen wussten, während Martin Kluck und Kai Möller eher blass blieben.
In der Kabine versuchte Trainer Fürup dann seine Mannschaft auf eine deutlich aggressivere Verteidigung des Gegners einzustellen. Doch was nach wieder Anpfiff auf dem Spielfeld geschah, war für die gut 20 mitgereisten United-Fans und vor allem für die Spieler von Hannover United ganz schwer zu verdauen. Der RSV startete mit seiner etatmäßigen ersten Fünf und presste die Gäste über das gesamte Spielfeld. Durch den enormen Druck der Gastgeber wurde Hannover immer wieder zu Fehlern im Spielaufbau gezwungen. Mit Wut im Bauch auf Grund der ersten Halbzeit und angetrieben durch die Zuschauer spielte sich der Tabellenerste in einen Rausch.
Dieser endete nach unglaublichen zehn Minuten mit 43:0, sodass dem Liganeuling aus Hannover beim Stand von 79:26 ein Debakel drohte. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Eine solche Dominanz über ein ganzes Viertel, wo wir selbst wie ein Hühnerhaufen jegliches Spielverständnis verloren haben. Das darf uns auch als unerfahrenem Aufsteiger nicht passieren“, ist Martin Kluck selbst einen Tag nach dem Auswärtsspiel noch fassungslos. Auch im letzten Spielabschnitt als der Druck des RSV allmählich nachließ, fand die Mannschaft um Kapitän Michael Möllenbeck nicht zurück ins Spiel. So blieb am Ende neben dem 37:107-Endstand nur die Erfahrung vor 750 Zuschauer eine der besten Mannschaften der Welt 20 Minuten geärgert zu haben.
Nun gilt es für Hannover United die zweite Halbzeit in Wetzlar aus den Köpfen zu bekommen und am kommenden Pokalspiel-Wochenende in Berlin eine ähnlich gute Leistung wie in der ersten Halbzeit gegen den RSV zu zeigen.
Für United spielten: Tan Caglar (12), Thomas Schröder (11), Michael Möllenbeck (6), Martin Kluck (3), Kai Möller (3), Nico Röger (2), Felix Heise, Niko Kavacis, Kosta Tsatsoulis, Eike Gößling und Andrea Seyrl (nicht eingesetzt).
(Martin Kluck)

