Deutschland steht mit beiden Teams im EM-Endspiel von Nazareth

von cloudmarketing | 16. September 2011 | Rollstuhlsport | 0 Kommentare

Nazareth (Behindertensport-News.de) – Die Europameisterschaft 2011 im israelischen Nazareth kann für den deutschen Basketball zum ganz großen Wurf werden. Im Halbfinale bezwang zunächst die favorisierte Damenauswahl ihren Halbfinalgegner Frankreich, ehe nur gut zwei Stunden später die deutschen Herren nachzogen und gegen Spanien den erst zweiten Finaleinzug nach 1999 perfekt machten. Entgegen den deutschen Damen, deren Finalgegner Niederlande heißt, müssen die Herren auf ihren Kontrahenten für das EM-Endspiel am Samstag noch warten.

Frankreich – Deutschland 35:78 (8:18/16:39/31:61)

Nach einem spielfreien Tag zeigte die deutsche Auswahl eine vor allem in der ersten Halbzeit starke Vorstellung und dominierte den Halbfinalgegner klar und deutlich. Zwar zeigte sich die Equipe Tricolore bis zum 12:8 (7.) aus DRS-Sicht gut aufgestellt, doch danach rollte der Team Germany Express über 29:8 (15.) ungefährdet und die Mannschaft von Bundestrainer Holger Glinicki wurde ihrer hohen Favoritenrolle gerecht. „Nach der Pause war es dann für uns schwer den Spannungsbogen zu halten, das ist absolut nachvollziehbar“, so der Hamburger in seiner Analyse.

Dennoch war die Dominanz des Vize-Weltmeisters 2010 und Silbermedaillengewinner der Paralympics 2008 in Peking auch nach dem Seitenwechsel deutlich und spürbar. Zwei erfolgreich verwandelte Freiwürfe von Edina Müller zum 53:24 (24.) und das 66:31 (34.) durch Heike Friedrich wurde dabei jedoch durch eine Fingerverletzung der bisherigen deutschen Topscorerin überschattet, als sich im letzten Spielviertel Gesche Schünemann einen Finger der linken Hand auskugelte. Wie schwer die Verletzung wiegt und ob sie im Endspiel einsetzbar ist, müssen die folgenden medizinischen Untersuchungen ergeben. Unabhängig davon trifft die deutsche Damenauswahl im Europameisterschaftsfinale am Samstag um 17:15 Uhr Ortszeit (16:15 Uhr MESZ) auf die Niederlande.

Frankreich: Angelique Quemener (10), Blandine Belz (9), Delphine St. Omer (9), Emilie Menard (4), Agneszka Etavard-Glemp (3), Chrystel Alquier, Valerie Ita, Kathy Laurent, Maite Mathias, Dorothee Meriau, Cyrielle Renard.

Deutschland: Marina Mohnen (Köln 99ers, 20), Gesche Schünemann (RSV Lahn-Dill, 18/1 Dreier), Annika Zeyen (University of Alabama/USA, 12), Mareike Adermann (University of Wisconsin/USA, 11), Heike Friedrich (Mainhatten Skywheelers, 7), Edina Müller (Hamburger SV, 4), Johanna Welin (USC München, 4), Annabel Breuer (Ulmer Sabres, 2), Nadine Bahr (Hamburger SV), Britt Dillmann (RSV Lahn-Dill), Maria Kühn (Mainhatten Skywheelers), Maya Lindholm (Hamburger SV).

Spanien – Deutschland 70:77 (17:23/38:35/61:59)

Gut gestartet hatte die Mannschaft von Bundestrainer Nicolai Zeltinger die Partie gegen das Überraschungsteam zunächst im Griff und die Nase mit 18:8 (5.) und 29:18 (13.) früh vorn. Doch die Iberer zeigten einmal mehr ihre bisher unter Beweis gestellte Kampfkraft und kamen in den letzten Minuten des zweiten Viertels zurück ins Spiel. „In dieser Phase konnten wir unsere Intensität nach so vielen engen und kräftezehrenden Spielen nicht mehr halten“, analysierte Zeltinger nach der Partie treffend, denn Spanien war in dieser Phase stets den berühmten Schritt schneller und konnte beim 36:35 in der letzten Spielminute vor der Halbzeitsirene erstmals wieder die Führung übernehmen.

Dies setzte sich auch nach dem Seitenwechsel fort und der deutsche Auftritt sah lange nicht so souverän aus wie noch in den letzten Spielen der vergangenen Tage. Doch auch die deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft ist eine Turniermannschaft und hat sich nach der Auftaktniederlage gegen Schweden immer wieder steigern können.

Und so kam es auch im Halbfinale zu einem willensstarken Schlussspurt. Zunächst war es einmal mehr Topscorer Dirk Passiwan, der mit zwei Dreiern zum 63:63 (33.) und 70:67 (36.) seine Mannschaft erstmals wieder in Front brachte, ehe nach dem fünften Foul von Spaniens Topspieler Diego de Paz (39.) Kapitän Sebastian Wolk seine fantastische Leistung mit zwei sicher verwandelten Freiwürfen zum 74:67 krönte. „Er ist ein wahrer Kapitän, der nach auch für ihn schwierigen Phasen bei dieser EM eindrucksvoll zurückgekommen ist und sein Team ins Finale geführt hat“, so Zeltinger zu den 30 Punkten und neun Rebounds seiner Nummer zwölf.

Spanien: Diego de Paz (16), Rafael Munio (13), Alejandro Zarzuela (12), Juan Carlos Gavira (5), Jaime Llambi (4), Pablo Zarzuela (4), Ismael Garcia, Francisco Sanchez Lara, Asier Carcia (n.e.), Bernabe Costa (n.e.), Jesus Romero (n.e.), Carlos Vera Antequera (n.e.).

Deutschland: Dirk Passiwan (IMMOVESTA Dolphins Trier, 30/2 Dreier), Sebastian Wolk (Mainhatten Skywheelers, 30), André Bienek (University of Wisconsin/USA, 11/2), Dirk Köhler (RSV Lahn-Dill, 3), Thomas Becker (Köln 99ers, 2), Thomas Böhme (RSV Lahn-Dill), Thomas Gundert (RSV Lahn-Dill), Jan Haller (RSV Lahn-Dill), Matthias Heimbach (Jena Caputs), Björn Lohmann (Köln 99ers),Andreas Kress (Mainhatten Skywheelers, n.e.), Sebastian Magenheim (USC München, n.e.).

(Andreas Joneck)