Wetzlar (Behindertensport-News.de) – Rollstuhlbasketball-Bundesligist RSV Lahn-Dill könnte am Sonntag um 16:00 Uhr in der Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle ein weiteres Kapitel seiner bisher bereits erfolgreichen Vereinsgeschichte schreiben. Nach fast drei Jahrzehnten als Primus der Ewigen Bundesligatabelle haben die Wetzlarer die Chance den Rekordmeister USC München im direkten Duell von diesem Thron zu stürzen. Allerdings muss Trainer Nicolai Zeltinger in diesem vielleicht historischen Spiel weiterhin auf die beiden bei den Parapan American Games im mexikanischen Guadalajara weilenden Joey Johnson und Steve Serio verzichten.
Ohne Kapitän Johnson als Leitwolf und den pfeilschnellen Serio wird dies gegen die fahrerisch vielleicht beste Mannschaft der Liga ein schwieriges Unterfangen. Zusätzlich hat sich auch noch Ersatz David Amend am vergangenen Wochenende im Spiel der zweiten Mannschaft bei den Rolling Devils Kaiserslautern so schwer an der Schulter verletzt, dass ein Einsatz am Sonntag nicht möglich ist. Mit einem Rumpfkader von nur acht Spielern muss Zeltinger also versuchen diese angestrebte historische Marke zu knacken und gleichzeitig den Nimbus seit Mai 2009 in eigener Halle ungeschlagen zu sein verteidigen.
„Wir brauchen am Sonntag gegen München ganz dringend die Unterstützung des Publikums, damit jeder einzelne von uns 120 Prozent seiner Leistung abrufen kann, denn genau darauf kommt es an“, ist sich der RSV-Headcoach dabei der Schwere der Aufgabe bewusst. Dementsprechend hat auch der Konkurrent aus der bayrischen Landeshauptstadt Lunte gerochen: „Die Münchner wissen seit Wochen über die Situation Bescheid und haben sogar nach den Flugdaten recherchiert, um nicht doch noch überrascht zu werden“, weiß Zeltinger. Die Münchner wollen natürlich auf der einen Seite ihren Platz an der Sonne der Ewigen Tabelle verteidigen, aber vor allem auch die vielleicht einmalige Chance nutzen, die Festung August-Bebel-Sporthalle zu erobern. Seit Mai 2009 konnte keine Gastmannschaft mehr die Punkte aus Wetzlar entführen. Dass die Partie am Sonntag ein ganz enges Spiel wird ist allen Beteiligten klar, denn wie groß die Lücke ist, die das Fehlen der beiden Weltklassespieler hinterlassen hat, konnte bereits vor einer Woche in Jena gesehen werden.
In Halbzeit eins hatte die Mannschaft erhebliche Probleme mit der ungewohnten Aufstellung und offenbarte aufgrund der verständlicher Weise mangelnden Abstimmung einige sonst unbekannte Löcher in der Verteidigung. In diese wollen die Bayern natürlich mit aller Macht stoßen. Hierfür besitzt der USC gleich ein ganzes Trio, das Offensiv bisher eine gehörige Durchschlagskraft an den Tag legen konnte. Benjamin Ryklin (20,5 Punkte), Ben Döring (19,8) und Nationalspieler Sebastian Magenheim (15,5) erzielen zusammen im Schnitt knapp 56 Punkte pro Partie für die Münchner. Diese drei sollten also im Fokus der Defensivbemühungen der Mittelhessen stehen.
Rein sportlich rangieren die Münchner, die bisher 256 ihrer bisherigen 403 Erstligaspiele gewannen, im Mittelfeld der Liga. Drei Niederlagen stehen drei Erfolge über die Neulinge Thüringen, Hannover und Salzburg gegenüber, so dass die Münchner weiterhin das Ziel Playoff-Plätze im Visier haben. Mit 255 Siegen aus allerdings nur 330 Partien rangiert der RSV Lahn-Dill nur hauchdünn hinter dem Rekordmeister und seit vielen Jahren führenden in der Ewigen Tabelle. Somit haben beide Seiten am Wochenende eine historische Chance: den Sturz des USC München von Platz eins der ewigen Rangliste oder aus Sicht der Gäste dem RSV nach über 30 Monaten wieder einmal eine Heimniederlage zuzufügen.
RBBL, 7. Spieltag: Köln 99ers – Jena Caputs, RSV Basket Salzburg – RSC-Rollis Zwickau, RSB Team Thüringen – Hannover United (alle Sa.), RSV Lahn-Dill – USC München (So.), Mainhatten Skywheelers – IMMOVESTA Dolphins Trier (4. Dezember).
(Andreas Joneck)

