Paracanoeing: Bayern beherrscht Medaillenspiegel der 2. DM

von cloudmarketing | 21. August 2012 | Behindertensport | 0 Kommentare

Kleinheubach (Behindertensport-News.de) – drei Gold-, vier Silber- und zwei Bronzemedaillen waren das Ergebnis! Bayern (Kooperation aus Bayerischem Kanu-Verband und Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern) führt damit deutschlandweit die Medaillenliste an, und zwar mit großem Abstand!

Heimlicher „Star“ der diesjährigen DM Paracanoeing war der erst 18-jährige Christian Mathes aus Regensburg. Im Rennen der Kajak-Einer Herren in der Funktionsklasse A (Beschreibung der Funktionsklassen siehe Kasten) war nicht nur das größte Teilnehmerfeld am Start, sondern mit Henry Schröder aus Schwedt auch der Viertplatzierte der diesjährigen Europameisterschaft. Eine gewaltige Herausforderung für die bayerischen Sportler! Aber Christian Mathes war von seinem Trainer gut eingestellt und fuhr einen überragenden Start-Ziel-Sieg heraus.

Als Deutscher Meister von 2011 hatte Michael Schmidt (WWC Gemünden) vor dem Rennen eifrig tiefgestapelt – realistisch, wie er meinte: „Wenn ich 3. oder 4. werde, bin ich hoch zufrieden!“ Schließlich hatte ihn seine Arbeit als Landestrainer für die Menschen mit Handicap im Bayerischen Kanu-Verband in diesem Jahr so sehr in Anspruch genommen, dass für ein eigenes Training so gut wie keine Zeit mehr blieb.

Fast hätte er mit seiner Prophezeihung sogar recht gehabt, denn nach einem verletzungsbedingt überaus problematischen Start sah er schon das ganze Feld vor sich. Dann aber zündete er den Turbo und überholte auf der 200 m langen Rennstrecke Boot um Boot. Nur sein „Musterschüler“ Christian Mathes lag im Ziel erwartungsgemäß noch vor ihm. Der EM-Starter Henry Schröder kam erst nach Christian Reeb von den River Pirates Augsburg ins Ziel.

Das spannendste Rennen

Der starke Seitenwind machte im Rennen K1 Herren TA besonders Stefan Deuschl (MTV München) zu schaffen. Immer wieder musste er mit Steuer- und Konterschlägen den Linksdrall ausgleichen, um sein Boot in der Bahn zu halten. Dadurch fiel er anfangs stark hinter dem souveränen Sieger dieses Rennens, seinen Vereinskameraden Oliver Luft, zurück.

Als Deuschland jedoch feststellte, dass sein Konkurrent aus Halle an ihm vorbei zog, fühlte er sich herausgefordert. Kraftvoll setzte er die Paddel auf den letzten 50 Metern ein, an ein „Linie halten“ dachte er nicht mehr. Quasi schon im Ziel schob sich Deuschl mit einer Zeit von 1:14.828 und 208 Hundertstel Sekunden Vorsprung auf den Silberrang – ein Wimpernschlag-Finale und der knappste Ausgang aller Rennen!

K1 Herren LTA

In der Funktionsklasse LTA der Kajak-Einer Herren kam es zum Regensburger Duell. Dabei war klar der im Kanusport erfahrenere Peter Dietl im Vorteil, den er auch mit einem unangefochtenen Sieg ausspielte. Der 20-jährige Dominik Mathes hatte erst vor einem Jahr mit dem Kanusport begonnen und startete mit zusätzlichem körperlichem Handicap. Seiner Silbermedaille kommt deshalb eine besonders hohe Bedeutung zu. Mit den beiden Mathes-Brüdern standen echte Talente am Start, die für die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro zu Hoffnungen Anlass geben.

K1 Damen LTA

Einen besonders hohen Stellenwert hat die Silbermedaille von Gerda Pamler (Straubinger Kanu-Club) im Rennen der K1 Damen. Paracanoeing steht in Deutschland noch in den Kinderschuhen. So wurden bei den Damen alle drei Funktionsklassen in einem Rennen ausgefahren – wobei die durchtrainierte Siegerin Brit Gottschalk (WV Schierstein) mit geringeren körperlichen Einschränkungen ganz klar im Vorteil war. Andrea Szabadi-Heine (River Pirates Augsburg) erkämpfte sich mit einem couragierten Rennen die Bronzemedaille.

Die Konkurrenz ist größer geworden

Das bayerische Team Parakanu darf stolz sein auf die eingefahrenen Erfolge! Tine Wilholm (BKV), Bruno Seidl (BVS) und Michael Schmidt, der BKV-Landestrainer für Sportler mit Handicap, haben diese erfolgreiche Mannschaft innerhalb eines guten Jahres aufgebaut. Wurden bei der 1. Deutschen Meisterschaft im letzten Jahr in Oberschleißheim mangels Teilnehmern nur je ein Rennen für Damen, Herren und im V1 durchgeführt, so haben sich auch in anderen Landesverbänden die ersten Rennfahrer etabliert.

Die Konkurrenz ist größer geworden, die Rennen konnten zumindest bei den Herren schon nach Funktionsklassen unterteilt werden. Dennoch: Die Ergebnisse zeigen ganz klar, welche Vorreiterrolle Bayern auch im Jahr 2 des wettkampfmäßigen Kanu-Behindertensports deutschlandweit noch immer einnimmt.

Doch nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Der Weg nach Rio de Janeiro, wo Paracanoeing 2016 erstmals im paralympischen Programm steht, ist noch weit. Bis dahin werden weitere Sportler mit Handicap den Weg zum Kanurennsport gefunden haben. Bayern hat die Herausforderung angenommen – die Uhr tickt bereits …

Auszug aus der Ergebnisliste:

K1 Damen LTA:
1.    Brit Gottschalk, WV Schierstein
2.    Gerda Pamler, Straubinger KC
3.    Andrea Szabadi-Heine, River Pirates Augsburg
K1 Herren LTA:
1.    Peter Dietl, SG BeNi/Freier TuS Regensburg
2.    Dominik Mathes, SG BeNi/Freier TuS Regensburg
3.    Sören Gebhardt, Halle KC 54
K1 Herren TA:
1.    Oliver Luft, MTV München
2.    Stefan Deuschl, MTV München
3.    Stephan Bahr, Halle KC 54
K1 Herren A:
1.    Christian Mathes, SG BeNi/Freier TuS Regensburg
2.    Michael Schmidt, WWC Gemünden
3.     Christian Reeb, River Pirates Augsburg
V1 Damen/Herren:
1.    Gerhard Bowitzky, PCK Schwedt
2.    Brit Gottschalk, WV Schierstein
3.    René Schulz, PCK Schwedt

Erklärung der Funktionsklassen:

A
Die Sportler können beim Paddeln die Arme einsetzen, müssen im Bereich von Beinen und Oberkörper jedoch umfassende Bewegungsbeeinträchtigungen kompensieren.
TA
Die Sportler können Arme und Oberkörper weitgehend uneingeschränkt einsetzen.
LTA
Hier können sowohl der Beinbereich wie auch Oberkörper und Arme beim Paddeln überwiegend genutzt werden.

Fotos (Uschi Zimmermann):
DM Paracanoeing.jpg:
Der erst 18-jährige Christian Mathes (rechts) gewann Gold und Titel mit einem überragenden Start-Ziel-Sieg.
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Im Rennen der Funktionsklasse LTA setzte sich Peter Dietl (vorne) frühzeitig vom Feld ab. Dominik Mathes (links) kämpft gegen Stephan Bahr aus Halle.

(Bayerischer Kanu-Verband e.V.)